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#81 RE: RE:über Regulierer, von Ion Tichy 16.12.2017 05:05

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Als wir damals meinen Laster geholt haben, haben wir die Nebenstraße zur Halle nicht gleich gefunden. Ich war da vorher nur einmal. Es war nachts kurz vor zwei Uhr. Also bin ich kurzerhand ausgestiegen & hab die Straßen abgelaufen & mein Kumpel im Ural im Schritttempo hinter mir her. Da standen auf einmal überall die Leute in den Hauseingängen, teilweise ganze Familien. Was die wohl dachten?

#82 RE: RE:über Regulierer, von Paparazzo 16.12.2017 10:24

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Zitat von Ion Tichy im Beitrag #81
...mein Kumpel im Ural im Schritttempo hinter mir her.
Da standen auf einmal überall die Leute in den Hauseingängen, teilweise ganze Familien.
Was die wohl dachten?


...ist doch klar: ..."die Russen kommen..!!"

#83 RE: RE:über Regulierer, von Ion Tichy 07.01.2018 14:14

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Der Vollständigkeit halber soll auch folgende Episode nicht unerwähnt bleiben. Ein Arbeitskollege erzählte mir mal von seinem großen Schäferhund, den sie Ende der 80er Jahre besaßen. Dieser Hund hatte die Angewohnheit, alle Leute anzubellen, die am Grundstück vorbeigingen. Dies hat den Besitzern des Hundes natürlich nicht gefallen, weshalb sie ihn jedesmal ordentlich ausschimpften. Schließlich hat er sich diese schlechte Angewohnheit irgendwann abgewöhnt. Eine Ausnahme wurde allerdings gemacht. Immer, wenn Karl Heinz am Grundstück vorbeiging & der Hund bellte, haben sie den Hund gelobt & belohnt.
Einmal fuhren sie dann samt Hund zum Badesee. Dort waren nun ausgerechnet auch ein paar Offiziere zum Baden & spielten gerade Ball. Der Hund ist sofort aus dem Auto gesprungen, hat sich zwischen die Offiziere gestürzt & den Ball zerfetzt. Danach kam er freudestrahlend samt Fetzen im Maul zurück, um sich sein Lob abzuholen. Die Sowjetmenschen fanden das natürlich nicht so lustig & haben ziemlich dumm aus der Wäsche geschaut. Sie haben aber nichts weiter gemacht, wohl wegen des stattlichen Hundes. Gebadet wurde dann trotzdem.

Grüße.
Axel

#84 RE: RE:über Regulierer, von russ.snaiper 07.01.2018 20:07

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Glück gehabt ! Hätte auch anders Ausgehen können !

#85 RE: RE:über Regulierer, von Ion Tichy 07.01.2018 21:07

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Tja, das hab ich mich auch gefragt. Kann das nicht beurteilen. Hatten die Karl Heinze Möglichkeiten, in solchen Situationen mal auszuteilen?

Jedenfalls sollten auch solche unerfreulichen Ereignisse nicht in Vergessenheit geraten, waren schließlich genauso Teil des Zusammenlebens. Deshalb werden sie hier erzählt.

#86 RE: RE:über Regulierer, von russ.snaiper 08.01.2018 07:11

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Austeilen wohl eher nicht ! Da hatten sie sehr viel Angst , wegen der Bestrafung . Welche sehr hart ausfallen konnte . Habs selbst einmal erlebt . War wie immer in den großen Ferien , bei meinen Großeltern (väterlicherseits) in Windischleuba (jetzt Altenburg) . Da liefen jeden Tag unsere Freunde beim Frühsport vorbei . Sonntags mit Kapelle ! Kamen zwei Soldaten angtrabt und auf der Straße fuhr ein Fahrradfahrer . Einer , von den Beiden , gab ihm einen kleinen Schubs und der Radler stürzte so unglücklich , das er mit dem Kinn auf die Bordsteinkante fiel . Hat gleich geblutet . Mein vater ging zu ihm und half in auf . Beim Aufstehen hat er laut russisch geflucht . Als die beiden das hörten rannten sie davon . Mein Vater hat ihn schnell verarztet .und er fuhr weiter . Am nächsten Morgen war sehr großes Geschrei im ganzen Dorf zu hören , welches aus dem Depot kam , da das Munitionsdepot nur ca. 150m vom Dorfrand sich befand . Meine Großelterm wohnten gleich am Dorfrand . Zum Munilager waren es max. 250m . Mein Vater ging zum Ausgangspunkt der Schreie . Ich natürlich hinterher . Vordem Wachgebäude des Lager , waren die Wachsoldaten angetreten . Vor Ihnen stand ein Tisch auf dem ein Sodat lag . Ein Zweiter stand etwas abseits . Zwei Soldaten schlugen den Liegenden mit Stöcken . Mein Vater sprach den anwesenden Offizier , einen Major , darauf hin auf russisch an . Er fragte was die soll ? Und man höre das Gschrei im ganzen Ort . Darauf der Major , der zufälliger Weise der Radler vom Vortag war ! Ersagte : "Sie kriegen deßhalb Prügel , weil sie dachten ich wäre ein Deutscher" . Mein Vater redete noch etwas auf ihn ein und danach hörten sie auf zu Schlagen .

#87 RE: RE:über Regulierer, von Paparazzo 08.01.2018 08:47

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...wer einen (vermeintlichen) Windischleubaner ohne ersichtlichen Grund
vom Rad schmeissen will, der hat aber doch Schläge verdient...

#88 RE: RE:über Regulierer, von Baijahschlingel 08.01.2018 12:11

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selber Schuld wenn die ihre eigenen Vorgesetzten nicht mal erkennen...

#89 RE: RE:über Regulierer, von Ion Tichy 07.02.2018 02:40

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Noch eine Negativgeschichte, die mir der oben erwähnte Arbeitskollege erzählte. Er hatte damals wiederum einen Kollegen auf dem Stellwerk, der die Sowjetmenschen nicht besonders gut leiden konnte. Hatte dieser einen sowjetischen Militärzug zur Abfahrt bereit, so sagte er dem Lokführer kurz vor der Abfahrt, er solle möglichst schnell abfahren, wenn das Ausfahrsignal gleich auf Fahrt gestellt wird. Außerdem zeigte er jedem dieser Züge zusätzlich noch die K-Scheibe, also das Signal "Fahrzeit Kürzen!" Entsprechend schnell fuhren diese Züge dann auch ab. Und natürlich kamen immer noch zwei bis drei Muschkoten hinterher gerannt, die sich verbotener Weise irgendwo herumgetrieben hatten & nun den Zug verpassten. Dass das für die zurückgebliebenen Muschkoten meist üble Folgen hatte, kann sich ja jeder denken.

Grüße.
Axel

#90 RE: RE:über Regulierer, von Ion Tichy 05.06.2018 18:48

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Okay okay, noch einen aus der Arbeitswelt. In der Lehre erzählte mir mal einer der Facharbeiter, dass er unter anderem in unserem großen Personenbahnhof Aufsicht war. In diesem Bahnhof gab es für die Sowjetmenschen ein bestimmtes Bahnsteiggleis, weil man dort im Bedarfsfall den Bahnsteig mittels Zaun & Tor absperren konnte. Außerdem gab es außerhalb der Halle noch 2 Gleise, die für die Sowjetmenschenzüge, vor allem die Militärzüge, vorgesehen waren.
Nun kam es öfter vor, dass für bestimmte Züge nicht genug Zugpersonal vorhanden war. Da musste dann die Aufsicht, also mein Kollege, einspringen & mitfahren. Übrigens hießen die Sowjetmenschenzüge bei uns intern nur "Rollende Karnickelbuchten". Warum, das mag sich jeder selber denken. Jedenfalls musste mein Kollege dann immer bis Brandenburg mitfahren. Dort endeten diese Züge & die Sowjetmenschen mussten ggf. umsteigen. Er sagte mir, man hätte niemals den Fehler machen dürfen, in den Wagen mitzufahren, sondern immer nur vorn auf der Lok. Denn in den Wagen gab es wohl die Sitte, die Temperatur möglichst hoch zu halten & in einem Wagen die Tische zu einer möglichst großen Tafel zusammen zu stellen. Dort wurde dann zusamen gegessen & vor allem getrunken. Beging man nun den Fehler, in den Wagen mitzufahren, wurde man genötigt, bei diesen Gelagen mitzumachen. Und lehnte man dies ab, wurde einem heftig zugesetzt, man wurde schnell mal als Faschist betitelt oder es wurde gar gedroht, dass man aus dem Zug geworfen wird. In Brandenburg angekommen, bestand die Aufgabe dann darin, die ganzen Besoffenen aus dem Zug zu laden bzw. in den Anschlusszug am selben Bahnsteig zu tragen.
Die Militärzüge außerhalb der Halle waren dagegen unproblematisch. Mein Kollege erzählte mir, das es hier für die Muschiks die erste Gelegenheit nach langer Fahrt war, mal aus dem Wagen zu klettern. Er sagte, die haben dann riesige Haufen überall hin gekackt. Mit denen haben die Aufsichter im Winter angeblich öfter Fußball gespeilt, wenn die Kacke gefroren war. Einmal, so sagte er, war der Tag schon ziemlich seicht & der Kackhaufen war noch nicht durchgefroren. Da er dies nicht gesehen hat, hat er trotzdem ordentlich gegen getreten, danach war wohl seine ganze Hose eingesaut.

Was lernen wir heute? Mit Kacke niemals Fußball spielen.

#91 RE: RE:über Regulierer, von Ion Tichy 20.07.2018 13:49

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Und noch eine Bahnepisode. Es war zur damaligen Zeit nicht unüblich, die Stellwerke mit Kohle zu heizen. Und Kohle bedeutete in der Regel Braunkohlebriketts. Dieselben wurde normalerweise vom Lastwagen vor das Stellwerk gekippt & durch das Stellwerkspersonal in den Kohlenkeller geschippt. Beim Stellwerk eines Kollegen kam es mal vor, dass der Kohlelaster etwas zu weit zurückgesetzt hat & die Kohle im Gleis landete. Besagter Bahnhof verfügte über einen Anschluss zu einer Kaserne der Sowjetarmee, der nur über das nun durch Kohle blockierte Gleis erreichbar war. Die Armee hatte sogar eine kleine Rangierlok. Und die wollte irgendwann vom Anschluss zur Laderampe. Das ging nun natürlich nicht mehr. Für die Sowjetmenschen jedoch kein Problem. Sie fuhren zurück in ihren Anschluss & kamen wenig später mit einem Trupp Muschkoten wieder. Die haben die Kohlen dann mit der Hand in den Kohlenkeller geworfen.
Ab diesem Zeitpunkt haben die Stellwerker dafür gesorgt, dass die Kohlen immer im Gleis gelandet sind & brauchten nie wieder zu schippen.

Grüße.
Axel

#92 RE: RE:über Regulierer, von russ.snaiper 20.07.2018 22:46

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Ja so waren Freunde , alles noch Handarbeit ! In Nordhausen wurde die Kohle in vierachsigen offenen Wagons angeliefert . Die Entladung erfolgte mit Bagger und Greifer . Wenn nichts mehr in Greifer war oder nur wenig , dann kam nächster Wagon dran . Waren alle , wurden die Freunde zur totalen Entleerung gerufen . LKW neben den Wagon 10-20 Muschkoten rein und die Kohlen flogen wie wild . Gar nicht lang und die Wagen waren leer und die Freune hatten wieder Kohlen zum Heizen .

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